Dresden, 7. März 2008


An alle Mitglieder, Freunde und Förderer


Liebe Freunde,

als Vorsitzende unserer Gesellschaft möchte ich Sie in Übereinkunft mit dem Vorstand und in Ergänzung des beiliegenden Informationsblattes über einige aktuelle Fragen unserer Arbeit in Kenntnis zu setzen und Sie damit ermutigen, uns weiterhin Ihre Unterstützung zuteil werden zu lassen.

Zweifellos haben wir auch im Jahre 2007 viel erreicht und sind dem Credo unseres Vereins, humanitäre Hilfe und einen Beitrag für Frieden und Völkerverständigung zu leisten, gerecht geworden. Doch bei allen Erfolgen gab es auch Probleme.

In unserer Jahreshauptversammlung im November 2007 und anlässlich unseres fünfzehnjährigen Bestehens konnten wir konstatieren:

Dank der vereinten Anstrengungen unserer Partner können wir unser zurzeit wichtigstes Projekt, den ambulanten Pflegedienst in Jekaterinburg zur Unterstützung bedürftiger NS-Opfer, fortführen. Das gelang, obwohl es durch den tragischen Tod unserer Projektleiterin einen ernsten Rückschlag in der Arbeit gab.

Manch einer fragt angesichts von Fernsehreportagen über reiche Russen und eingedenk eigener Erleb­nisse, ob unsere Hilfe denn noch zeitgemäß sei, zumal die sozialen Verhältnisse in Deutschland voller alter und neuer Probleme sind.

Unser Standpunkt, unsere Überzeugung, die wir auch durch Arbeitsbesuche in Russland gewannen:
Die Hilfe bleibt notwendig!

Dazu einige kurze Einblicke:

Zwar verzeichnen wir eine Verbesserung in Verpflegung und Versorgung der Bewohner unseres Waisen- und Behindertenheimes, zwar gibt es Fortschritte in der Ausgestaltung der Internate, doch hinsichtlich des Personals und in der Bereitstellung verschiedenen Materials liegt weiterhin vieles im Argen. Eine sozial­pädagogische Kraft ist z. B. im Behindertenheim Bilimbai für etwa 150 zumeist körperlich und geistig Behinderte zuständig, Beschäftigungsmaterial gibt es kaum. Man muss erlebt haben, welche Freude aus den Augen der Heimbewohner spricht, wenn sie Spiele, Puppen, Plüschtiere, Zeichen­material, kleine Andenken oder ein neues Kleidungsstück erhalten. Es sind Menschen im Alter von 18 bis über 80 Jahren, die zum Teil ihr gesamtes Leben im Heim verbringen, darunter auch Kriegsveteranen.

Wegen restriktiver Maßnahmen der russischen Behörden können wir Hilfsgüter leider nur noch in Paketen versenden. Das ist teurer als uns lieb ist und erfordert zusätzliche Finanzen bzw. Förderer.

Was unser Hauptprojekt, die ambulante häusliche Pflege für Kriegsveteranen in Jekaterinburg, betrifft, so ist es einerseits das Bewusstsein der historischen Verantwortung, was uns tätig werden lässt, andererseits das Wissen, dass die Menschen so viel Schweres durchgemacht haben und heute die Verlierer sind. Subventionen wurden gestrichen, Renten befinden sich auf dem Niedrigstniveau. Die Inflation führt dazu, dass viele auf lebens-notwendige Waren und Medikamente verzichten müssen. Besonders schwer haben es die, die allein leben müssen.

Im November 2007 starb unser Freund Dmitrij Jegorewitsch, der als Halbwüchsiger ins KZ Sachsenhausen verschleppt worden war, den Todesmarsch überlebte und zu den von der Sowjetarmee Befreiten gehörte. Er brauchte für 1800 Rubel Medikamente monatlich, die Hälfte seiner Rente, um zu überleben. Er konnte das nicht bezahlen. In Not sind nun auch seine an Diabetes erkrankte Frau und sein Sohn, der durch einen Schlaganfall seine Sprache verloren hat.

Wir helfen zurzeit 40 Bedürftigen. Hundert sollen es im Rahmen des Projektes werden. Dabei streben wir an, dass die von uns aufgebaute häusliche Pflege später von russischer Seite fortgeführt wird.

Aus anfänglichem Unverständnis in Russland wird zunehmend Dank und Anerkennung. So schloss sich auch Herr Antolij Sudowych, Vorsitzender der Assoziation der Invaliden der russischen Armee und selbst Invalide, den Bemühungen an, solidarisch zu helfen: "Wir sind doch die Enkel", sagt er, "es ist unsere Pflicht, den alten Invaliden zur Seite zu stehen."

Die Assoziation für Familien gefallener Soldaten bemüht sich als unser Partnerverein, über die Zusammenarbeit mit uns im URAL-Radio zu berichten.

Bei Gesprächen mit Überlebenden der Blockade Leningrads, mit denen wir des ersten Durchbruchs vor 65 Jahren gedachten, wurde mir bewusst, dass die Wunden des Krieges noch nicht verheilt sind. Unser Brief an unsere Partner in Sankt Petersburg, der diesem Ereignis gewidmet war, wurde als ein Zeichen der Solidarität über Grenzen hinweg angenommen. Und wir wissen auch, wie aufmerksam unsere Bilder­ausstellungen in Sankt Petersburg beachtet, wie dankbar unsere Pakete für Hilfsbedürftige aufge­nommen und wie dringend z. B. auch die Krankenhausbetten für das Sankt Petersburger Veteranenhospital benötigt werden.

Möglich wurde und wird all unsere Hilfe nur durch Ihre treue Mitarbeit, liebe Freunde. Wir sagen Ihnen heute erneut herzlichen Dank. Helfen Sie bitte weiter!

Mit freundlichen Grüßen

Ihre

Hannelore Danders